Nachruf auf ein verstorbenes Mitglied
Ich sitze im Harz in unserem neuen Clubheim und kann nicht weiterbauen, weil wir erst wieder das verbrauchte Geld abrechnen müssen und auf den nächsten Betrag warten, damit wir wieder Material kaufen und weiter machen können. Zeit, lange liegen gebliebene Dinge aufzuarbeiten, die Page zu aktualisieren und die Festplatte mal wieder aufzuräumen.
Dabei stieß ich dann auf einen Nachruf, den ich schon im Oktober verfaßt hatte. Doch durch die Umstände hier war ich noch nicht dazu gekommen, ihn auf die Page zu setzen.
Der SMC ist ein Verein und kein Gewerbebetrieb, bei dem es vordergründig um Profit geht. Was könnte dies besser dokumentieren, als Mitglieder die mit uns leben , aber auch sterben. Der Tod gehört zum Leben. Wer wüßte das besser als ich, der vor fast genau einem Jahr dem Tod nur um Haaresbreite entronnen ist.
Deshalb setze ich hier diesen Nachruf auf unsere Page, eben, weil es zum Vereinsleben dazugehört.
Es war im Jahre 2000 als ich eine Mail von einer Frau erhielt, die nicht Mitglied war und anfragte ob sie mit ihrem Dom ein Zimmer mieten könnte. Natürlich konnte sie. Ich war an jenem Abend alleine in Hohenfels, Irmi war zu Hause in Rommerskirchen, als das Pärchen abends spät ankam. Sie gingen sofort auf ihr Zimmer und nach ein paar Stunden kam sie heraus und bezahlte, während er bereits durch den Nebeneingang wieder zum Auto gegangen war.
Ich hatte auf den ersten Blick gesehen, daß der ältere Herr, einen eleganten, sehr teuren Anzug trug und auf dem Hof stand ein dicker Schlitten, von jener Nobelmarke mit dem Stern und von denen einer aus der teuersten Klasse.
Na, ob wir die je wiedersehen würden? Im nächsten Monat kamen sie wieder. Gleich wieder aufs Zimmer, alles wie gehabt. So ging das drei - vier Mal. Dann hörten wir eine Weile lang nichts mehr von ihnen, bis eines Tages ein Anruf kam. "Hier ist der Markus, der immer mit der (*) zu Euch kommt. Seid ihr in der Eifel?" "Ja". "Ist das Zimmer frei, in dem wir immer spielen?" "Ja" " Gut dann komme ich heute Abend vorbei. Ich komme aber mi einer anderen Dame"
Nun wußte ich also daß er Markus hieß und er hatte sich offensichtlich von seiner Sub getrennt und war eine neue Verbindung eingegangen. Sie kamen am Abend und zum ersten Mal setzten sie sich zu uns und den Anderen an den Tisch im Gemeinschaftsraum. So lernten wir dann auch Barbara kennen. Auch begann er zum ersten Mal etwas von sich zu reden. Er war wohl bevor er Pensioniert wurde, in den höchsten Wirtschaftskreisen tätig gewesen und war auch heute noch oft im Ausland, z.B. in Rußland als Wirtschaftsberater unterwegs.
Markus und Barbara kamen so oft zu uns wie sie es ermöglichen konnten. Manchmal ging das Telefon und Markus fragte ob wir da seien, er sei in der Nähe und wolle auf einen Kaffee vorbei kommen. Er kam dann alleine, setzte sich zu uns, langte in die Pfanne mit Bratkartoffeln die Irmi geade auf dem Tisch hatte oder naschte von Irmis Kartoffelsalat oder Kaiserschmarren. Man sah ihm seinen Genuß förmlich an und daß er sich wohl fühlte. Dabei erfuhren wir auch, daß er nicht nur wegen seines hohen Postens hinsichtlich SM eines gewissen Schutzes bezüglich outings bedurfte, sonder auch weil er verheiratet war, erwachsene Kinder hatte und auch von daher Diskretion benötigte. Nun, es mag Menschen geben, die diese Dinge als Fremdgehen negativ bewerten. Doch wer wirklich mit unserer Neigung behaftet ist und mit einem Partner lebt, der diese Neigung nicht hat, der weiß, wieviel Stärke dahinter steht, ein ganzes Leben mit einem solchen Partner zu verbringen und wie schwer es ist, seine Neigung wenigstens gelegentlich nebenbei auszuleben. Wer frei von Sünde ist, werfe hier den ersten Stein.
Markus zahlte seinen Mitgliedsbeitrag deshalb immer bar und es entwickelte sich schon fast so etwas wie eine Freundschaft. Eines Tages bat er dann Irmi, ob sie sich nicht an einem Spiel beteiligen wolle und Irmi sagte zu. So fand dann manche Session mit Irmis Beteiligung statt.
Dann plötzlich hörten wir wieder längere Zeit nichts von den Beiden, bis er uns beim nächsten Besuch offenbarte, daß er an Leberkrebs leide und im Krankenhaus gewesen war und derzeit Chemotherapie machte. Er versuchte einen gewissen Optimismus auszustrahlen, doch von Steffi, die ja 30 Jahre lang Krankenschwester war, wußten wir, daß Leberkrebs in den allermeisten Fällen unheilbar war. Markus sprach bei seinen Besuchen ganz offen über seine Krankheit.
Da hatte dieser Mensch alles Geld dieser Welt, konnte sich die besten Professoren, die teuersten Klinken und die teuersten Medikamente leisten, und doch spürten wir seinen Kampf, sein Leiden, sahen wie die Krankheit ihn zeichnete. Wieviel Bangen und Hoffen mochte dieser Mann durchleben? Er machte Pläne, wollte ein Haus in Spanien kaufen, doch nach längerer Zeit des Schweigens, wo wir nicht wußten wie es ihm ging, erhielten wir von Barbara folgenden Gästebucheintrag:
hallo ihr lieben,
es ist schon lange her, daß ich das letzte mal im smc war. ich bin einige jahre mit dem markus zu euch gekommen. es war eine wunderschöne zeit in meinem leben und ich habe die spielzeiten bei euch immer sehr genossen. ich habe schon einmal in ein smc gästebuch geschrieben, auch um euch mitzuteilen, daß der markus anfang märz den kampf gegen seine schwere krankheit verloren hat. ich habe sehr getrauert - er war verrückt, genau wie ich. unsere gemeinsamen erinnerungen liegen bei euch. noch einmal danke für die vielen vielen schönen (leidenschaftlichen) zart harten stunden die wir bei euch verbringen konnten.
ganz liebe grüße an alle die uns noch kennen von barbara
Wir waren betroffen, obwohl wir ja damit gerechnet hatten. Irmi und ich unterhielten uns darüber und fragten uns, ob er nun einen Kampf verloren hatte oder einfach nur erlöst gewesen ist.
Wie dem auch sei, ich hätte ihm gerne seine Gerte ins Grab gelegt. So long Markus! In unseren Gesprächen, Erinnerungen und Gedanken lebst du weiter bei uns.
Ein letzter Gruß Irmi und Joe
Ein Denkmal für ein Schwarzwälder Urgestein
Das Wochenende vom 07.-10.11.08 war ein sehr schönes und harmonisches Wochenende. Und doch wurde es von einer Nachricht getrübt, die Irmi, Geli und mich schockierte. Bereits am Freitag erfuhren wir, dass Christian verstorben sein soll. Aber da war noch nicht sicher, ob es "unser" Christian, unser "elektrix" war. Am Samstag kam dann nach Rückfrage die Gewissheit.
Christian, in der ganzen
BDSM-Gemeinde wohl eher als Elektrix bekannt, war ein Mann der ersten Stunden des damaligen SMC.
Wie sehr war uns in den 10 Jahren diese knorrige Schwarzwälder Tanne ans Herz gewachsen. Wie oft haben wir seinem herrlichen, manchmal kaum verständlichen Urdialekt gelauscht, wenn er von seinen Reisen quer durch die Welt erzählte. Er war der Letzte, der eine ganz bestimmte Steuerung von bestimmten Produktionsmaschinen reparieren konnte und wurde so ständig von Firmen aus aller Herren Länder angefordert. Von Shanghai ging's nach San Franzisko, zurück nach Singapur und dann noch mal eben schnell nach Sydney oder Abilene in Texas. Ihn zu erreichen, war oft ein Glücksspiel. Deshalb machten wir uns auch keine Gedanken, als er auf unsere Einladung im August nicht antwortete. Das war halt Christian. Manchmal kam er auch nur auf eine Tasse Kaffee vorbei und fuhr nach drei Tagen wieder weg.
Zuletzt sahen wir ihn vor knapp 2 Jahren in Engelsbach an jenem denkwürdigen WE, wo er bei uns einen Elektroworkshop abhielt. Wir hatten die alten Mitglieder die uns so lange die treue gehalten hatten zu einem Dankeschön-Wochenende eingeladen und saßen bereits Freitagabend alle zusammen und lauschten Christians Erzählungen.
Geli brachte es so auf den Punkt: Christian war für mich ein lieber dicker Märchenonkel, auf dessen Schoß ich gerne sitzen würde um mich an seinem Bauch anzukuscheln und ihm stundenlang zuzuhören.
Dann kam der Samstagabend und er hielt einen seiner berühmten Elektro-Workshops ab. Allererste Sahne! Er erklärte sachlich, fachlich sehr gut fundiert, ohne jede Panikmache was man machen kann, wie man es macht und was man besser nicht macht. Punktum.
Ich habe damals in der Gründerzeit viel von seiner Art solche Workshops abzuhalten gelernt und für mich übernommen.
In jener Samstagnacht in Engelsbach wurde die Stromlady geboren. Irmi entdeckte ihr Herz für Stromspiele. Sie entdeckte so gründlich, dass sie alles um sich herum vergass und nichts mehr mitbekam.
Christian legte dann den Grundstein bei ihr, indem er ihr eines seiner russischen Tens-Geräte verkaufte. Sollte es einmal defekt sein, werden wir es nicht weg werfen, sondern zum Gedenken an ihn hier im Sm-Haus ausstellen.
Aber nicht nur uns hat er viel gegeben, sondern der ganzen BDSM-Gemeinde. Ich schätze einmal, dass er in den zehn Jahren, in denen wir ihn kennen, mindestens fünfzig bis sechzig solcher Seminare und Workshops in ganz Deutschland abgehalten und hierbei einen großen Teil seiner knappen Freizeit geopfert hat. Und ich habe in den zehn Jahren niemanden kennen gelernt, der ihn kannte und nicht mochte. Das können nur wenige Menschen von sich behaupten.
Christian mag zwar nun für immer ausruhen von seiner Hetze um die Welt. Doch in unseren Gedanken und Erzählungen und in dem was wir über Strom vermitteln, wird er immer lebendig sein im SMK.
So long alte Schwarzwaldtanne. Der Sturm des Lebens hat dich oftmals gebeugt, dich aber nie gebrochen.
Möge da wo du jetzt bist immer genug Strom fliessen und genügend Spannung herrschen.
Das wünscht Dir zum Abschied ein trauriger Joe, stellvertretend für alle die dich kennen und lieben im SMK.
Joe Hendrix - der Gründer des SMC
Du hast viele kommen und gehen sehen, doch nie hätte ich mir träumen lassen, dass ich irgendwann mal hier sitzen werde und Deinen eigenen Nachruf schreiben muss, weil Du gegangen bist. Nichts ist schwerer als etwas in Worte zu fassen, was man eigentlich gar nicht begreifen kann, aber da wir beide immer geschickt im Schreiben waren, versuche ich Dir hier die letzte Ehre zu erweisen!
Vor 11 Jahren lernten wir uns kennen, um genau zu sein am 9.April 1999 zur Eröffnungsfeier von Hohenfels. Es war die beste Baustellenparty, die wir je hatten... Du hast auf die Polen geschimpft, weil sie die Kabel an den falschen Verteilerkasten angebracht haben und dann gefahren sind, so dass es keine Zeit mehr gab, irgendetwas zu reparieren. Ja, geschimpft hast Du oft, so hab ich Dich kennen gelernt und so bist Du auch gegangen ;-)
Du wurdest mir ein Freund in allen Lebenslagen, hattest immer ein offenes Ohr und gute Ratschläge... Viele Nächte haben wir diskutiert, mal laut, mal leise.. "Eine Zigarette noch und dann gehen wir ins Bett" meist wurden es doch 4-5 und noch ein Käsebrot. Das werde ich am meisten vermissen.
Für mich warst Du Mentor, Seelendoktor, Illusion Killer, der beste Freund, den ich je hatte. Andere würden sagen, Querulant, Schreihals, Extrovertiert, aber Du bist nie persönlich geworden. Die einen mochten Dich, die anderen hassten Dich. Doch das war Dir egal, Du musstet nicht, von jedem der beste Freund werden. Und wie oft Du auch einen Rückschlag hinnehmen musste, Du hast nie aufgeben, um Deinen Traum von einem zuhause für SM´er zu verwirklichen, dafür habe ich Dich immer bewundert.
Ich bin dankbar und glücklich für die Zeit, die wir miteinander hatten und bin mir sicher, dass Du da oben irgendwo im "SM-Himmel" schon alles ganz gut im Griff hast, so wie Du es auch hier immer hattest. Denk aber dran, im Himmel schreit man keine Engel an ;-)
Tja mein Freund, ich könnte noch Seitenweise über unsere Zeit schreiben, doch hier ist wohl nun endgültig Schluss... Ich verspreche Dir , mit Irmi und Horst zusammen, Deinen Traum aufrecht zu erhalten. Getreu dem Motto "The Show must go on" , bringen wir unseren Kopf unter Kontrolle und tun das, was Du auch tun würdest. Und ich hoffe, ich kann Deinem Vertrauen und Deinen Erwartungen gerecht werden!
So long Dommmiiiii, wir sehen uns bestimmt wieder
Alles Liebe Deine Geli
P.S. WER DICH KANNTE, KLAGT... WER DICH NICHT KANNTE, HAT GRUND ZU KLAGEN!!!